Liedertafel            Schwabmünchen e.V.

 

 

  Chronik

 

                                                                     

Die Geschichte eines Vereins näher kennen zu lernen ist nicht nur ein Bedürfnis für seine Mitglieder, sondern sicher auch von Interesse für diejenigen, denen die Geschichte der engeren Heimat am Herzen liegt. Besonders interessant ist eine Vereinsgeschichte dann, wenn noch Aufzeichnungen vorhanden sind, in denen von der Gründung bis heute der Lebenslauf des Vereins festgehalten ist. Die Chronik der Liedertafel Schwabmünchen ist umfassend und reich an Dokumenten einer bewegten Zeitgeschichte. Wir laden Sie ein zu einem kurzen Streifzug.

 

Es waren unruhige Zeiten rund um das Gründungsjahr der Liedertafel. 1848 ist als "Revolutionsjahr" in die Geschichte eingegangen. Gegen die unter den Menschen herrschende Not, allgemeine Missstimmung und politsche Machtlosigkeit versuchten sie sich in den sogenannten "Märzvereinen" zu wehren- auch in Schwabmünchen - bis die Regierung in München gegen diese Märzvereine vor ging. Der Schwabmünchner Verein war der erste, der sich in einen sogenannten "unschuldigen" Bürgerverein verwandelte. Aber er brauchte eine Aufgabe, um existieren zu können und einen Status, der es den örtlichen Honoratioren erlaubte, bei Entscheidungen des Magistrats mitreden zu können. Von einem "unschuldigen" Verein war wenig zu spüren, trotzdem wollte man den Nimbus der Rebellen nicht auf sich ruhen lassen und suchte einen Deckmantel, den man in der Gründung eines neuen Vereins fand. Liebe zu Musik und Gesang waren damals also eher Mittel zum Zweck im Ursprung unseres Vereines.
 


  

11.10.1848

Der königliche Rentbeamte Stengel hat durch Umlaufschreiben mehrere als sangesfreudig und fortschrittlich bekannte Mitbürger zur Errichtung eins Gesangvereins in Schwabmünchen für Mittwoch, den 11. Oktober 1848, nachmittags 4.00 Uhr, in das Gasthaus  "Zur Post" (dem heutigen alten Rathaus) eingeladen. Über die Vereinsgründung, die Beratung der Statuten und über die Wahl des Vereinsausschusses wird ein Protokoll angefertigt, das von insgesamt 53 Gründungsmitgliedern  unterzeichnet  wird.
 


 

               

 22.11.1850

Erst zwei Jahre nach seiner Gründung  erhält der Verein zusammen mit neuen Statuten auch den  Namen "Liedertafel".

 

Aus der Vereinschronik ist zu entnehmen, dass der Liedertafel im Jahre 1850 von der Bürgerschaft ein schöner Zinnpokal zum Geschenk gemacht wurde. Der aus Zinnguss hergestellt Pokal ist 378 Millimeter hoch und hat einen Einsatz aus Messing. Das Gewicht des Pokals beträgt 2240 Gramm. Vollplastische Figuren und Spruchband sind in die Wandung eingearbeitet.


 


  
1859

"In bester Harmonie und brüderlicher Eintracht" - so der Chronist, konnte das 10-jährige Jubiläum gefeiert werden. Konrad Högg widmete der Liedertafel zu diesem Anlass den zweiten, heute noch gültigen Sängerspruch: "Herer Gesang, der mehret die Kraft woge zum Himmel, der Einigkeit schafft". Im Festjahr wurde für 77 Gulden eine Standarte beschafft. Diese Vereinsfahne ist heute noch, mit Ausnahme des ausgetauschten Fahnentuches, in allen Originalteilen vorhanden und ist damit die älteste im Dienst befindliche Vereinsfahne in Schwabmünchen.

 

   

 


 
1861

Der Verein kaufte sich den ersten Flügel. Das gebrauchte Instrument kostete 152 Gulden und 24 Kreuzer. Zur Tilgung der Kosten wurde der "Bierkreuzer" eingeführt, d.h. pro Maß war zu Gunsten der Kasse ein Kreuzer mehr zu bezahlen. Zum Verständnis für derartige Kosten: bis 1871 machten als Währung 60 Kreuzer den Wert eines Guldens aus, der Wochenlohn eines Webers betrug 3 1/2 Gulden, ein Pfund Brot kostete bespielsweise 4 1/2 Kreuzer, ein Pfund Butter 44 Kreuzer.
 


 
1866

Im Frühjahr ließ sich die Sängerrunde der Liedertafel fotografieren. Das Foto befindet sich heute im Museum der Stadt Schwabmünchen.

 

 


 
1889 - 1899

In diesem Zeitabschnitt gab es im Vereinsleben Theatervorführungen und Schlittenpartien ebenso wie "schwere Stürme und kritische Zeiten erster bis dritter Ordung", wie der Chronist sie einstuft, aber auch immer wieder Teilnahmen an Sängerbundesfesten, z. B. in Wien. Zum Bezug des neuen Vereinslokals "Stiegelbräu" stiftete 1892 der damlige Vorstand Eugen Lechner einen neuen Regulator, "damit die Sänger fernehin nie mehr in Zweifel kommen können, um welche Zeit sie sich zu des Bürgers erster Pflicht anzuschicken haben". Verständlich wird diese Spende, weil die Chronik schon 1854 darüber berichtet, dass 17 Mitglieder wegen Übertretung der Polizeistunde Strafe und 17 Kreuzer Anzeigengebühr bezahlen mussten, was der gestrenge Bürgermeister Eder zu verfügen geruhte.
  


 
1921

Nach dem Krieg beginnt wieder eine rege Vereinstätigkeit, wenn auch anfangs überwiegend nur gesellschaftlicher Art. Ein Frühjahrskonzert am 24. April 1921 gewinnt durch die Mitwirkung von Augsburger Gästen eine besondere Note. Zum einen bietet das Augsburger Klavierquintett Hocholz erstklassige Salonmusik, zum anderen spielt ein junger Klavierkünstler aus Augsburg, der während der Mobilmachung als Artillerist mehrere Wochen in Schwabmünchen verbrachte. Es ist kein geringerer als Otto Jochum, der spätere Professor und Leiter des Augsburger Konservatoriums und der wohl profilierteste Chorkomponist Schwabens. Dem Gedenken dieses großen Mannes wurde 1976 vom Schwäbisch-Bayerischen Sängerbundes die "Otto-Jochum-Medaille" als besondere Auszeichnung geschaffen.
 


 

Anlässlich des 25-jährigen Vereinsjubiläums wurde der Liedertafel von den Sängerfrauen ein vergoldeter Lorbeerkranz gewidmet. Der Kranz ist 300 x 250 Millimeter groß und wiegt 280 Gramm. Er ist aus massivem Messing und wurde vergoldet. Auf dem Schriftband ist folgende Gravur angebracht: "Gewidmet v.d. Frauen der Liedertafel Schwabmünchen

               

   
 


 


 
24. - 26.05.1924

Mit einem Festabend am Samstag, einem Kirchenzug, Gedenkgottesdienst und einem Festkonzert am Sonntag, sowie einer Familienfeier mit Tanz am darauf folgenden Montag wurde das 75-jährige Gründungsfest gefeiert. Zahlreiche Ehrengäste, darunter der Vorsitzende des Schwäbisch-Bayerischen Sängerbundes, Studienrat Hans Nagel, die Vorstandschaften befreundeter Chorgemeinschaften und örtlicher Vereine, feierten mit dem Jubelverein. Über dieses einmalige Ereignis berichtet das "Schwabmünchner Tagblatt" - zur damaligen Zeit auch noch Volkszeitung für Mittelschwaben, Amtsblatt für den Gemeinderat und für das Finanzamt und Amtsgericht Augsburg, auf der Titelseite.
 


 
1925 - 1935

In Schwabmünchen trat unterdessen immer stärker ein zweiter Gesangverein in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Die Liedertafel sah den zunehmenden musikalischen Erfolg der dem Turnverein angeschlossenen "Sängerriege" mit gemischten Gefühlen. Ihr Dirigent war Hauptlehrer Georg Pfandzelter, Vorstand Emil Zettler. Mit der Wahl Georg Pfandzelters zum 2. Direktor der Liedertafel im Oktober 1925 schien das Ende der für die Liedertafel unbequem gewordenen Konkurrenz gekommen zu sein. Die Sängerriege blieb aber nicht nur weiter bestehen, sondern man beschloss 1930 (beim 10-jährigen Gründungsfest)  die Loslösung vom Turnverein und die Umbenennung in  "Liederkranz".

Mit der Machtübernahme durch die NSDAP traten auch im Vereinsleben Neuerungen ein und brachten Richtlinien für die Gaue und Vereine. In Schwabmünchen sollte demnach nur noch ein Gesangverein zugelassen sein. Die Verhandlungen der beiden Vereine zog sich über weitere Jahre hin, bis endlich am 03.06.1935 eine Ausschußsitzung zur Zusammenlegung beider Vereine einberufen werden konnte. Als Ergebnis wurde erreicht, dass Bürgermeister Stuhler die Vereinsführung eines gemeinsamen Gesangvereins unter der Bedingung annimmt, dass im Ausschuss des neuen Vereines keines der bisherigen Mitglieder der Vorstandschaft vertreten ist.

Nach der Durchführung der für beide Vereine bedeutsamen Mitgliederversammlung erfolgte am 31. Oktober 1935 ihre Zusammenlegung, wobei der Vereinsname "Liedertafel" bestehen blieb. Nach diesem Zusammenschluss führte Bürgemeister Martin Stuhler die Liedertafel. 1.Chormeister war Lehrer Hans Lang aus Schwabegg, 2. Chorregent war Martin Gogel.
 


 
1939 - 1945

Der August brachte die Mobilmachung. Die Vorbereitungen für das 90-jährige Vereinsjubiläum mussten abgebrochen werden, da viele Sänger eingezogen wurden. Während des 2. Weltkrieges beschränkte sich die muskalische Arbeit überwiegend auf die Mitwirkung bei Trauerfeierlichkeiten. Konzerte fanden während der Kriegsjahre nicht statt. Im April 1945 marschierten amerikanische Truppen in Schwabmünchen ein. Die Versammlungsfreiheit wurde aufgehoben und damit auch der Liedertafel die Möglichkeit genommen, Chorproben und öffentliche Aufführungen abzuhalten.
 


 
1947

Josef Mayer, bekannt durch seinen Beruf als "Flurschütz", ergriff die Initiative, damit sich einige Sänger und Orchestermitglieder am 15. Mai 1947 zu einer "Aussprache bezüglich der Wiederbelebung des deutschen Volksliedes und der Liedertafel" treffen konnten. Mit Zustimmung des Landrates und der Militärregierung konnte am 8. April 1947 eine außerordentliche Generalversammlung abgehalten werden. Der von den anwesenden 36 Sängern intern bestellte Vorstand Theodor Würstle musste den Verein formell auflösen und neu gründen. Dies geschah durch die Versammlung jedoch nur unter der Bedingung, dass die Neugründung wieder mit dem Namen "Liedertafel Schwabmünchen gegr. 1848" erfolgt.

Vereins- und Probenlokal wurde wieder der Gasthof Deutschenbaur, der Donnerstagabend erneut als Probenabend bestimmt. An dieser Stelle sei erwähnt, dass es bereits 1859 sowohl einen Proben-, als auch einen Gesellschaftsabend gab, wobei an beiden Abenden das Kartenspiel strengstens untersagt war.
 


 
1949 - 1950

Das 100-jährige Bestehen der Liedertafel wurd in größerem Rahmen am 14. und 15. Mai 1949 begangen. 110 Sängerinnern (!) und Sänger gaben unter der bewährten Stabführung von Rektor Pfandzelter zwei Festkonzerte. Auch das Liedertafel-Orchester, geleitet von Kaspar Scherle wirkte mit.

 

"Frühjahrskonzert der Liedertafel Schwabmünchen -Gesang und Orchester auf dem Höhepunkt", so schrieb Ulrich Wagner (selbst aktiver Sänger) am 30. April 1950 in der "Schwabmünchner Zeitung". Zur Aufführung kamen die Teile "Der Frühlung" und "Der Herbst" aus dem Oratorium "Die vier Jahreszeiten" von Josef Heydn. 80 Sängerinnen und Sänger nahmen unter Leitung des Chormeisters Georg Pfandzelter teil. Zu den Solopartien konnten Schülerinnen und Schüler des Leopold-Mozart-Konservatoriums Augsburg gewonnen werden. Außerdem kam die Symphonie in C-Dur von Mozart durch das von Hauptlehrer Kahlig geleitete und 32 Personen starke Liedertafel-Orchester zur Aufführung. Die Liedertafel brachte wiederum einen musikalischen Höhepunkt im kulturellen Leben der damaligen Marktgemeinde dar.
 


 

 Fortsetzung in Kürze...

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